Autofahrer aufgepasst: Igelschutz auf Straßen
Nach dem Winterschlaf sind jetzt wieder viele Igel im Siedlungsgebiet Klagenfurt unterwegs. Auf der Suche nach Nahrung oder Partnern müssen die nachtaktiven Tiere oft Straßen überqueren, was ihr Unfallrisiko vor allem im Frühjahr und im Spätsommer bis Herbst erhöht. Zumal Igel die Angewohnheit haben, sich bei Gefahr instinktiv zusammen zu rollen, anstatt wegzulaufen. Das funktioniert vielleicht bei ihren natürlichen Feinden, den Eulen, Mardern und Füchsen, aber leider nicht bei Kraftfahrzeugen.
Herumstreifende Igel legen trotz ihrer kurzen Beine oft erstaunlich weite Strecken zurück – durchschnittlich zwei km pro Nacht. Wussten Sie, dass Igelmännchen in der Paarungszeit auf der Suche nach Weibchen in einer einzigen Nacht sogar bis zu drei km oder noch weiter laufen können? Das entspricht mehr als der achtfachen Umrundung eines Fußballfeldes! Weibliche Igel wandern nachts ungefähr einen halben bis 1,5 km weit.
Zentrale Bedrohung Straßenverkehr
Der Straßenverkehr ist in Österreich eine der zentralen Bedrohungen für Igel, da ihre Lebensräume zunehmend von Straßen durchzogen werden. Jährlich sterben etliche Igel auf Straßen, sie zählen dort zu den häufigsten Opfern unter den Säugetieren. Aber auch die intensivierte Land- und Forstwirtschaft mit struktureller Verarmung, Monokulturen und Einsatz von Pestiziden macht Igeln zunehmend zu schaffen.
Der bei uns vorkommende Nördliche Weißbrustigel (Erinaceus roumanicus) steht ganzjährig unter Schutz. Er gilt in Kärnten zwar noch nicht als akut gefährdet, hat aber bereits die sogenannte „Vorwarnstufe“ und ist damit potentiell gefährdet. Die gute Nachricht: Mit angepasster Fahrweise kann jeder Autolenker und jede Autolenkerin aktiv zum Schutz von Igeln auf Straßen beitragen.
Wenn es dunkel wird - Tempo reduzieren
Regel Nr. 1: Tempo reduzieren! Fahren Sie im Stadtgebiet vor allem in der Dämmerung und nachts jetzt besonders langsam und aufmerksam. Halten Sie Ausschau nach Tieren auf der Straße. Wenn ein Igel die Straße überquert, geben Sie ihm, wenn immer möglich, die Zeit dafür. Abbremsen, abblenden und Warnblinkanlage anschalten. Kein Fernlicht oder Hupen, das erschreckt die Tiere unnötig!
Igel, die zusammenrollt auf der Straße sitzen bleiben, können Sie vorsichtig in Laufrichtung an den anderen Straßenrand bringen – aber nur, wenn das gefahrlos möglich ist. Bei verletzten Tieren, die noch am Leben sind, bitte eine Tierarztpraxis kontaktieren.
Weitere Hilfe für Igel
Was man sonst noch tun kann: Das Lebensraumangebot für Igel im eigenen Umfeld verbessern. Die Insektenfresser lieben naturnahe, strukturreiche Gärten und Parkanlagen mit Wiesen, Wildhecken, Laub- und Reisighaufen, Frischwasserangebot und offenen Komposthaufen – ohne Pestizide, Schneckenkorn und Mähroboter!
Hilfreich sind außerdem „Igelkorridore“, über die die Tiere gefahrlos und barrierefrei zwischen benachbarten Gartengrundstücken wechseln können. Allzu oft stehen Mauern oder bis zum Boden abschließende Zäune im Weg und zwingen Igel, auf Straßen auszuweichen. Das muss nicht sein. Wer einen igelfreundlichen Garten hat, wird mit etwas Glück durch die Anwesenheit der stacheligen Besucher belohnt.


